Länderbericht Berlin 2025-11

Bildungspolitisch gibt es keinerlei Verbesserungen für das neue Schuljahr. Im Gegenteil, die Sparmaßnahmen werden fortgesetzt. Das bedeutet, dass die Möglichkeiten der Schulen auf Herausforderungen zu reagieren, stark eingeschränkt werden.

Ein Beispiel möge das illustrieren. Kein Mensch bezweifelt, dass ein Junge, der mehrfach schwerstbehindert ist (auf den Rollstuhl angewiesen, des Sprechens nicht befähigt), eine Eins-zu-eins-Betreuung benötigt. Es gibt Schulhelfer, die diesen Menschen begleiten. Es gibt junge Menschen, die aus welchen Gründen auch immer, in ihrer psychosozialen Entwicklung extrem beeinträchtigt sind. Sie werden manchmal als „Systemsprenger“ bezeichnet. Dass diese Mädchen und Jungen jeden Unterricht unmöglich machen können und dass aus deren Kreis häufig tätliche Angriffe auf Mitschüler*innen und Erwachsene begangen werden, ist bekannt. Schulhelferstunden dürfen nun endgültig nicht mehr für sie eingesetzt werden. Da auch andere finanzielle Mittel, über die die Schule nach Bedarf entscheiden konnte, stark gekürzt wurden, ist es kaum noch möglich, diesen Schüler*innen zu helfen. Beinahe unnötig zu erwähnen, dass es solche Schüler*innen ausschließlich an Schulen des gemeinsamen Lernens (Grundschulen, ISS, Gemeinschaftsschulen) gibt. Der § 43b (Ruhen der Schulpflicht des Berliner Schulgesetzes ist in diesem Zusammenhang betrachtet eine Bankrotterklärung der Politik. Statt den Schulen die Möglichkeiten zu geben, eine professionelle Einzelbetreuung zu ermöglichen, werden Zwangsmaßnahmen organisiert, die Schüler*innen längere Zeit von der Schulpflicht befreien. Das bedeutet: Diese jungen Menschen und deren Eltern bleiben auf sich selbst gestellt.

 Einen bildungspolitischen Lichtblick gab es dennoch. Eine Forderung des Netzwerkes der Berliner Gemeinschaftsschulen in der GGG wurde erfüllt. Es wurde eine Referentin für die Gemeinschaftsschulen eingesetzt. Nun fehlen noch eine Gemeinschaftsschulverordnung und ein Kürzel für Gemeinschaftsschulen, das es erlaubt, Erfolge und auch Misserfolge der Gemeinschaftsschulen von denen der Grundschulen und Integrierten Sekundarschulen statistisch zu unterscheiden.

 Das Netzwerk der Gemeinschaftsschulen in Berlin in der GGG, eine Organisation, des gemeinsamen Lernens, hat sich an der Friedenauer Gemeinschaftsschule, letztjährige Schulpreisträgerschule, getroffen. Es wurden zwei Schulentwicklungsmodelle, u.a. von Grundschülerinnen, vorgestellt und diskutiert. In der Tagesordnung las sich das so:

Impulsvorstellung zweier Schulentwicklungsprojekte an der Friedenauer Gemeinschaftsschule

  1. Das Churer Modell
  2. Pulsare in der Gymnasialen Oberstufe

Dann wurde eine neue Sprecherin gewählt. Das war nach der Verabschiedung des langjährigen Netzwerksprechers nötig geworden. Judith Bauch, Schulleiterin der Wilhelm-von-Humboldt–Gemeinschaftsschule, die zweite Berliner Schule des letzten Jahres, die den Schulpreis erhielt, wurde einstimmig zur Sprecherin gewählt. Die Wahl der zweiten Sprecherin/des zweiten Sprechers musste mangels Kandidat*innen verschoben werden, zur Unterstützung wurde allerdings erstmals ein Vorstand gewählt.

Weiter wurde die Vorbereitung der Schulbesuchstage im Februar fortgesetzt. Anschließend ging es um die erste Dienstberatung mit der neuen Referentin und abschließend darum, dass die GGG Berlin mehr Mitglieder benötigt, um aktiv bleiben zu können.

Zu erwähnen ist außerdem, dass die GGG Berlin ein Spezial Magazin „Die Schule für alle“ über die Vielfalt der Berliner Gemeinschaftsschulen erstellt hat. Es ist über die GGG-Geschäftsstelle zu erhalten.

Robert Giese

Der Länderbericht erschien in Die Schule für alle 2025/4.

ALLE LÄNDERBERICHTE DSFA 2025/4